Unterrichtsqualität

 

 

 

Der Gedanke, die Vielfalt von Menschen als Herausforderung und Chance anzunehmen, prägt unseren täglichen Unterricht in solcher Weise, dass die Punkte Vielfalt und Unterrichtsqualität für uns nicht voneinander zu trennen sind.

 

Die Vielfalt der Menschen, der Inhalte und der Formen des Lernens prägen unser Schulleben und erfordern individuelle Lern- und Arbeitskonzepte.

 

Jahrgangsübergreifender Unterricht

Seit 2 Jahren sind alle 9 Klassen der Grundschule Harmonie jahrgangs-übergreifend organisiert. Dabei haben sich Kollegium und Eltern für eine Mischung aller vier Jahrgänge ausgesprochen.Durch diese Klassenzusammensetzung fordern wir Vielfalt bewusst heraus, da wir diese als Chance für das soziale und schulische Lernen sehen.Die Kinder lernen miteinander und voneinander - sind Lernende und Lehrende.Jahrgangsübergreifender Unterricht ist bei uns kein Abteilungsunterricht. Die Kinder arbeiten über Altersgrenzen hinweg an gemeinsamen Themen, genauso selbstverständlich bilden sich Freundschaften über Jahrgangsgrenzen hinaus.

Selbstgesteuertes Lernen

Individuelles Lernen ermöglicht den Kindern, an dem zu arbeiten, was für sie wichtig und sinnvoll ist. Grenzen nach oben gibt es nicht, Leistungs-druck ebenfalls nicht. Die Kinder testen sich aus, lernen zu lernen und lernen sich selber kennen.Ausgangspunkt des Unterrichts ist der Kreis. Hier treffen sich die Kinder mehrmals am Tag, um ihre Arbeit zu planen.Wir LehrerInnen und die gesamte Lerngruppe sind immer im Bilde darüber, woran jedes Kind aktuell arbeitet. So können wir es individuell oder im Kreisgespräch über den nächsten Schritt beraten, helfen die Arbeit zu organisieren bzw. die Ergebnisse zu besprechen und den Arbeitsprozess zu reflektieren.Jede Arbeit wird mit einer Präsentation abgeschlossen.  Diese kann im Kreis oder innerhalb einer Schulversammlung stattfinden. Dabei gibt es verschiedene Formen, wie den Vortrag, das Lernplakat, die Ausstellung die Powerpoint- Präsentation u.v.m. Die Präsentations-Kompetenz ist uns wichtig, weil die Kinder·       bei der Vorbereitung einer Präsentation das Gelernte  strukturieren, vertiefen und verinnerlichen,·       als ReferentInnen Selbstvertrauen gewinnen und ihre Sprachkom-petenzen erweitern·       als ZuhörerInnen von ihren Mitschülern  lernen·       dies für ihre Zukunft in Schul- und Arbeitswelt benötigen  So vielfältig wie die Menschen an unserer Schule sind, so vielfältig sind auch Lern- und Arbeitsformen, Themen und Lernangebote.Beispielhaft stellen wir vor, was an einem Schultag im März 2006 bei uns zu beobachten war: Überall sieht man selbst lernende Kinder, jahrgangs- und klassen- übergreifend, alleine oder in Gruppen, auf dem Flur, in den Klassen, im Lehrerzimmer oder wo sonst immer Platz oder Atmosphäre herrscht. LehrerInnen arbeiten mit einzelnen Kindern oder mit Gruppen, man sieht sie Lerngespräche führen oder etwas vermitteln. Andere Kinder lernen mit Studentinnen, die auch Themen anbieten wie „Ernährung“, „Wir binden Bücher aus unseren eigenen Geschichten“ oder „Wir gründen Betriebe, um Waffeln zu verkaufen“. Eine andere Gruppe arbeitet mit einer Lehramtsanwärterin aus London, die bei uns für einen Monat einen Teil ihrer Ausbildung absolviert. Sie bereiten für die nächste Woche eine Führung durch die Schule auf Englisch vor. Andere Kinder setzen ihren Text in der Druckerei, eine Mutter liest aus einem türkischen Buch vor. Einige Kinder gehen ein paar Meter bis zur nächsten Kirche, weil der Jugendreferent mit seiner Steuergruppe (Kinder unserer Schule) einen Gottesdienst gestaltet.

Kinder einer Klasse nehmen über das Internet, mit Webcam und dem Programm „Skype“, Kontakt zu der Partnerklasse in Klagenfurt auf und halten einen Vortrag über „Spinnen“. Im Forum stehen Kinder an ihrem Infostand und verkaufen selbst gebastelte Lesezeichen, deren Erlös an ein nahes Tierheim geht. Andere üben Tänze, schreiben ihre Geschichten, erarbeiten ihre Themen im Netz oder mit Büchern, sitzen an der Schulzeitung, lösen Sudoku-Rätsel oder besuchen London City mit Google-Earth[1]. Wieder andere arbeiten in ihrem Mathe-Übungsheft oder Rechtschreibtrainer.

 

Selbsteinschätzung und Beratungsgespräche

Das Lernen liegt in der Verantwortung der Kinder. Unsere Verantwortung als LehrerInnen ist es, darauf zu achten, dass die Anforderungen der Lehrpläne des Landes Nordrhein- Westfalen eingehalten werden.Um dies zu gewährleisten, geben wir den Kindern einen Überblick und Ausblick darüber, was sie in den vier Grundschuljahren lernen werden. Dazu haben wir als Kollegium Selbsteinschätzungsbögen  sowohl für die einzelnen Fächer als auch für das Lern- und Arbeitsverhalten entwickelt (siehe Anhang: Selbsteinschätzung). Einmal im Halbjahr schätzen die Kinder ihre Sach-, Sozial- und Ich-Kompetenzen ein. Lehrer und Eltern schätzen das Kind ebenfalls mit Hilfe des gleichen Bogens ein. Die Bögen bilden die Grundlage für ein gemeinsames Kinder-Eltern-Lehrer-Gespräch, in dem ein Arbeitsplan für das weitere individuelle Lernen entwickelt wird (siehe Anhang: Arbeitsplan).Auch die Eltern haben nun sowohl einen Überblick über die Grundanforderungen der Lehrpläne und der Schule als auch über den Entwicklungsstand ihrer Kinder. Keine Note, auch kein Gutachten können diese Portfolio-Situation in ihrer Transparenz und Klarheit ersetzen.Darüber hinaus prägen Gespräche mit Kindern, mit Eltern und mit Kindern und Eltern unseren Schulalltag. Wir führen Eltern-Informations-Abende durch, die im Grunde pädagogische Fortbildungen sind.

Fördern und Fordern

Vier Jahre lang bleiben die Kinder in der Regel bei einer KlassenlehrerIn.Durch den jahrgangsübergreifenden Unterricht kommen in jedem Schuljahr nur 6-7 Kinder neu in die Klasse, die in der bestehenden Lerngruppe durch das Vorbild der Älteren leichter Arbeitsstrukturen entwickeln. Wir LehrerInnen haben die Möglichkeit, die Kinder schneller kennen zu lernen. So können wir frühzeitig und langfristig jedes Kind in seinem eigenen Lernprozess beobachten, begleiten und gezielt und individuell fordern und fördern.Aufgrund unserer Beobachtungen bilden wir folgende klassenüber-greifende Fördergruppen:Sinti-Gruppe, Türkisch für  türkische Kinder, Deutsch für Kinder mit anderer Muttersprache, Lesegruppe, Mathegruppe u.v.m.Außerdem eruieren wir zurzeit, in welchen Bereichen noch weiterer Förderbedarf besteht.

 

"Viele, verschieden gestimmte Saiten geben erst Harmonie" (Joseph von Eichendorff)

 

 

 

 

 

 "Hier greifen die Kompetenzen der unterschiedlichen Altersgruppen ineinander"

(Schulpflegschafts-vorsitzende)

    

"Wie, die Anna ist im 1. Schuljahr? Ich dachte immer, die wäre im 2.!" (Marcel, 8 Jahre)          

"Die machen ja alle was sie wollen?"

Nein!